( 55 )Resignation in Staub

Bürger am mittleren Ring in München sorgen sich um unser Aller Gesundheit und bemühen den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und der sagt unter bezug auf ein EU-Gesetz von 1996: Bürger haben das Recht, Behörden zum Handeln zu zwingen, wenn die Luft, in der wir leben,(z.B.)an mehr als 35 Tagen im Jahr dreckiger ist, als erlaubt (europäischer Grenzwert 50 Mikrogramm pro Kubikmeter) und dann werden Fahrverbote erwogen und Geschwindigkeiten reduziert und ältere Autos dürfen gar nicht rein in die belastete Innenstadt – so weit, so gut.
Ein Blick zurück mag aber doch auch erlaubt sei; „ Blauer Himmel über der Ruhr“ war mal ein Slogan und die Käfer von damals emittierten wie verrückt und in Berlin konnte man mit geschlossenen Augen und nur der Nase nach sagen, ob man am Kudamm war oder am Alex mit seinen Trabbis .
Aber gut, diesen Schmutz haben wir ja glücklicherweise hinter uns und gleichzeitig ist die Lebenserwartung der Deutschen seit Beginn des 20.Jahrhunderts um 30 Jahre gestiegen(1); demographischer Wandel, aber Vorsicht: die WHO glaubt nach Wikepedia, dass die Lebenserwartung aller Europäer, bedingt durch Feinstaub, um 8,6 Monate sinkt – etwas Ironie sei erlaubt: Ich glaube, dass allein die Beschäftigung mit solchen Statistiken durch damit verbundenen Ärger die Lebenserwartung nicht um Monate, sondern um Jahre reduziert.
Aber doch wieder ernsthaft: Maßnahmen gegen Staub aus dem Verkehr sind sicher richtig und das soll hier nicht zerredet werden. Ärgerlich wird es jedoch, wenn kein Unterschied gemacht wird zwischen Verkehr und (z.B.) Heizung: da werde ich bei Planungen mit Bebauungsplänen konfrontiert, in denen steht, dass Heizen mit luftverunreinigenden Stoffen nicht erlaubt sei, was nun wirklich, mit Verlaub, Unfug ist : da müsste stehen, die Emissionen dürfen nicht größer sein, als….....:
Emission NULL gibt es nicht! Oder wenn es verboten wird, z.B. mit Pellet zu heizen und der Bürger gezwungen wird, Fernwärme zu kaufen, und machtlos damit konfrontiert wird , dass die Preise für Öl und (damit verbunden) Gas uferlos steigen, ganz aktuell mal wieder um ca 12%; besonders ärgerlich, wenn dieser Fernwärmezwang begründet wird mit der Feinstaubbelastung!. Dabei sind die Emissionen bei modernen Hackgutöfen extrem gering(3);ich zitiere aus(4):”Moderne Hackgutöfen können Holz vollständig verbrennen, entsprechend gering sind die dadurch entstehenden Schadstoffmengen. Die Hersteller konnten die Emissionen durch Verbeserungen bei der Anlagenregelung und durch Katalysatoren deutlich senken”. In dem kommenden Wärmegesetz wird verlangt, daß bis 2020 14% der Wärme aus erneuerbarer Energie kommt. Wie soll das gehen, wenn das Heizen (z.B) mit Pellet oder Hackschnitzel verboten wird – Feinstaub vs Energie??
„ googelt” man nach Immisionsbelastungen deutscher Städte, findet man nur Verkehr, Verkehr und immer wieder Verkehr und nur in zwei Fällen gab es den Begriff „Hausbrand“: in Dortmund mit dem Hinweis: „untergeordnete Bedeutung, wird nicht verfolgt“ oder in Osnabrück, wo in einer Tabelle von Emittenten der Feinstaub aus Hausbrand mit 0,9% quantifiziert wird.
Da gibt es aktuell ein Büchlein: „Die spinnen, die Deutschen“ mit dem Untertitel “Expeditionen durch den ganz normalen Wahnsinn“ mit 249 Beispielen(nachdenkenswert, belustigend, auch unsinnig) – ein Kapitel Feinstaub vs Energie würde als Nr.250 gut darein passen. Ach ja, Resignation in Staub…...
(1):Die Welt,19.7.2008
(2):Thomas Baumann „Die spinnen, die Deutschen“,PIPER
(3):s.Beiträge in dieser homepage vom 3.3.08 und 25.6.08
(4):Mit Hackschnitzel heizen,Immowelt(WAZ) vom 12.7.2008

Martin Aßmann, 2008-07-27 14:59