(69) Die Steinzeit der EDV...

.. ein nostalgischer Besuch im Computermuseum der Stuttgarter Informatik zu dem mich das allwissende google verführt hat; es bedurfte keiner Verführungskünste nachdem ich erfuhr, dass dort Klemens Krause und Christian Corti den
Rechner LGP 30 Royal McBee und Schoppe & Faeser „wiederbelebt“ haben

Ein mit Röhren bestückter Rechner der ersten Generation;
(Kosten 1960 ca 250000,- DM; Kosten des ersten ASSMANN-Rechners 1963 180000,- DM)
„Der Hauptspeicher wird durch eine Magnettrommel gebildet die in 64 Spuren, die jeweils 64 Zellen „ Worte“ zu je 32 Bitenthalten, organisiert ist.“
(zitiert aus Broschüre des Informatik-Forum Stuttgart e.V.)
Ein Speichervolumen also von 4096 Worte je 31 Bit,
also 126,98 kBit oder 15,87 kByte;
Hier war kein Platz für große Compiler – programmiert wurde in Festkomma in Maschinensprache.

Danach hat sich die digitale Welt dramatisch verändert durch die mit dem Nobelpreis 2007 ausgezeichneten Arbeiten von Albert Fert und Peter Grünberg; sie entdeckten unabhängig von einander einen ganz neuen physikalischen Effekt, den Riesenmagnetowiderstand oder GMR (giant magnetoresistance)
„Auf der Festplatte liegt die Information gespeichert vor in Form von mikroskopisch kleinen Feldern mit verschiedenen Magnetisierungseinrichtungen. Die Information wird abgerufen, indem ein Lesekopf die Festplatte abtastet und magnetische Veränderungen registriert. Je kleiner und dichter mit Information gepackt die Festplatte ist, desto kleiner und schwächer werden auch die magnetischen Felder. Desto empfindlicher muss damit der benötigte Lesekopf sein. Ein Lesekopf mit GMR-Effekt kann die sehr kleinen magnetischen Veränderungen in genügend messbare Unterschiede beim elektrischen Widerstand umwandeln, und damit in Strom, der vom Lesekopf gesendet wird. Der Strom ist das Ausgangssignal vom Lesekopf, die verschiedenen Werte der Stromstärken stellen Nullen und Einsen dar“.
(idw-online.de)

Ich bin ganz ehrlich, unvorstellbar                          die Kinder dieser Revolution findet
                                                                           man heute auf dem Ramschtisch.

Plattenspeicher mit 1 Terrabyte oder Markennotebook unter 400,- € mit einem Festplattenspeicher von 160 GB und das ist im Vergleich zum Trommelspeicher der LGP 30 etwa das 10 Mio– fache; ganz ähnlich das Verhältnis der Geschwindigkeiten: der Rechner LGP 30 konnte etwa 100 bis 400 Befehle pro Sekunde verarbeiten und heute wird geworben mit 32×10 hoch 6 bit/sek – nicht vergleichbar, wohl wahr, aber der Faktor 10 Mio- fach ist auch hier so verkehrt nicht.
Und mit diesen Steinzeit-Rechnern haben wir die Statik von Hochhäusern in Frankfurt oder Brücken in Stockholm gerechnet
– diesen nostalgischen Blick zurück mag man doch erlauben…

Martin Aßmann, 2009-01-18 16:12