( 83 ) Ökobranche bekämpft Ökostrom

Auf diese Schlagzeile der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ vom 23.6.09 verweist das Editorial der PHOTON (Juli 2009) und diese Schlagzeile ist eine Recherche wert!
Ausgangs – und Angriffspunkt ist das Projekt „Desertec“, der Bau gigantischer solarthermischer Kraftwerke in der Sahara und das Gigantische eines solchen Projektes wird deutlich an der unvorstellbaren Investitionssumme
in Höhe von 400 Mrd Euro (wer kommt auf welcher Basis zu solcher Zahl ?)

(hier ein Bild vergleichbarer Technik: Parabolrinnen Kraftwerk in der Mojawe-Wüste)

Natürlich braucht ein Projekt dieser Größe und Einmaligkeit gründlichste Voruntersuchungen im Rahmen von Machbarkeitsstudien, natürlich müssen technische und politische Risiken ( und da gibt es ganz sicher Viele )
geprüft und abgewogen werden!
Aber ein solches Projekt (wäre es machbar) könnte ein Baustein sein auf dem
Weg zu 100% erneuerbarer Energie – einem Ziel, das die meisten Menschen
für unerfüllbar halten, für das aber der Solarenergie – Förderverein Deutschland e.V. kämpft, z.B. mit diesem Flyer (hier ein Ausschnitt):

Bei aller Sympathie für die Aktivitäten des Solarenergie – Fördervereins :
das Stichwort „Erneuerbare Energie in Bürgerhand“ macht es deutlich: hier sind wirtschaftsideologische Wünsche und Hoffnungen im Spiel und sie verdrängen die gebotene Sachlichkeit und sie verdrängen die Fakten!.

Die gleiche Orientierung zeigt sich im SOLARBRIEF des Vereins in der 3.Ausgabe 2008 : hier ist ein Diskussionspapier des AK Atomenergie der IPPNW veröffentlicht, in dem es z.B. heißt „ …..könnte die Stromerzeugung Deutschlands schrittweise von den großen Stromkonzernen zu Bürgern und Kommunen verlagert werden…“
Gestützt werden solche Wünsche und Hoffnungen nun auch noch von Franz Alt, von dem ich hier enttäuscht bin: In dem SOLARBRIEF 2 – 2009 schreibt er unter der Überschrift : „Saharastrom für Deutschland“ : “In Deutschland stehen 20 Millionen Gebäude, auf denen Solarstrom erzeugt werden kann , … in deutschen Großstädten kann auf den heute vorhandenen Dach – und Fassadenflächen 70% und in Dörfern sogar 100% Solarstrom erzeugt werden…. „ und das wird dann auch noch landauf, landab zitiert (Franz Alt hat es gesagt) und ist doch gründlich falsch!
Aber so heißt es im Solarbrief 2/2009 : ”...und wo soll der Wüstenstrom dann verbraucht werden? Der Strom soll in deutschen Häusern und Werkhallen verbraucht werden, die – zusammengenommen – genügend Dach – und Fassadenflächen aufweisen, dass man auf ihnen fast die Hälfte des deutschen Strombedarfes aus Photovoltaikanlagen erzeugen kann…”
(Zitat Ende) , das stimmt einfach nicht !
In dieser hompage hatte ich am 6.1.2007 ( Beitrag 27) Franz Alt zunächst auf einen Fehler in seinem Buch „Zukunft Erde“ aufmerksam gemacht :
er nennt einmal 30 Millionen Gebäude und an anderer Stelle 22 Millionen Gebäude
und Franz Alt hat sich für diesen Hinweis bedankt, aber geschrieben :

„die 22 Millionen Solarkraftwerke sind freilich möglich und nötig“ und er geht weder in jener Korrespondenz noch in der gegenwärtigen Diskussion darauf ein, dass Ingenieure vor Ort Dächer suchen und suchen und Potentiale schätzen : mit Sicherheit weniger als 10%, wahrscheinlich weniger als 5% der Dächer kommen in Betracht (Lage, Neigung, Statik, Dachgauben und Fenster,Verschattungen, Eigentumsverhältnisse), und wenn das in Ordnung ist kommen Folgefragen wie wirtschaftliche Möglichkeiten, Bereitschaft, bis hin zu dem selbst erlebten Beispiel, dass kommunalen Eigentümern geeignete Dächer nachgewiesen werden, daß sie verfügbar sind, daß eine Finanzierung nachgewiesen wird ohne Belastung des
Haushaltes und nichts passiert,

weil die zuständigen Behörden überlastet sind (?) und dafür keine Zeit haben( ? ).

Nimmt man die Schätzung : 5% von 20 Mio Dächern mit geschätzter mittlerer Größe einer Dachanlage von 10 kWp kommt man etwa auf die Werte der „Solarbundesliga“

Hier sind die Werte genannt mit 3,8 (Hamburg) bis 71,4 (Ingolstadt) Watt/EW,
das ist ja wirklich alles lobenswert und toll und unterstützenswert, aber es ist doch objektiv nicht vergleichbar mit den technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Großindustrie – hören wir doch auf sie zu verteufeln, hören wir auf mit Träumen am Kamin, – Alle sind doch gefordert!

Martin Aßmann, 2009-07-30 10:54