( 109 ) Rechenkünstler gefährden energetische Sanierung

Die Bundesregierung hat ehrgeizige Pläne : bis zum Jahr 2050 sollen Hausbesitzer verpflichtet werden, den gesamten Gebäudebestand auf Null – Emissions-Standard zu senken und natürlich stoßen diese Pläne, allein schon durch das Wort „ Pflicht „, auf scharfe Kritik .
Aber es ist wirklich utopisch und technisch einfach nicht machbar, den bestehenden Gebäudebestand auf solchen Standard zu bringen – das ist schon bei Neubauten ein Problem.
Und unabhängig davon kommen nun wahre Rechenkünstler
( Spiegel 37/13.9.2010)

Und diese Billionen werden landauf, landab zitiert,z.B. Welt online 16.9.2010

Nun wissen wir es: das kostet 2,6 Billionen Euro – was für ein Unfug!

Da werden Kosten von 680,- bis 750 €/qm prognostiziert – das ist nicht seriös!
Die Möglichkeiten sind so vielfältig, die Unterschiede von Haus zu Haus sind so groß, dass Durchschnittswerte unsinnig werden, und, ganz entscheidend, die Gegenrechnung fehlt völlig : die Einsparung an Energiekosten!

Bleiben wir einmal bei punktuellen Erfahrungen :

Energetische Sanierung eines Hauses mit 12 Eigentumswohnungen
in Braunschweig ( ca 809 qm , Maschplatz) :

Sanierungskosten ca 60, €/qm ; erwartete Amortisationszeit ca 19 Jahre
Energieeinsparung ( Plan ) ca 1600,- €/a im ersten Jahr
bei angenommener Steigerung der Kosten der Heizenergie 7% / a
entspricht das Einsparungskosten in Höhe von ca 5400,- €/a zum Amortisationszeitpunkt ….

Energetische Sanierung, Verzicht auf Heizoel und (fast) Gas
bei den Bürohäusern der ASSMANN – Gruppe in Braunschweig.
Der Einbau einer Hackschnitzelheizung, also einer CO2 – freien Wärmeerzeugung
( siehe page 78 und 87 in diesem homebook ),einer Nahwärmeleitung zur Verbindung zweier Bürogebäude und der energetischen Sanierung eines Gebäudes
wurde realisiert mit Investitionskosten in Höhe von ca 75,- €/qm Nutzfläche
Amortisationszeit ca 8 Jahre; Kosten der Wärmeenergie reduziert von 12259,- auf 8659,- €/a im ersten Jahr
Austausch der Dachfenster im Technologiezentrum Delmenhorst (page 90)
Kosten von ca 50,0 €/qm und Einsparungen von ca 990,- €/a im ersten Jahr
(ca 7%/a steigend) und Amortisationszeit ca 10 Jahren.

Sanierung von Ventilen und Pumpen bei der Heizungsanlage des Technologiezentrums Delmenhorst ( siehe page 91 ) Kosten von ca 4,0 €/qm,( 8800,- €) und Einsparungen bei der Heizung von
ca 31 MWh / a entsprechend ca 2600,- €/a im ersten Jahr
(ca 7%/a steigend) und Amortisationszeit von ca 3 Jahren (!)

Häufig erlebt in Diskussionen mit Hauseigentümerverbänden

“energetische Sanierung rechnet sich nicht“

und die aus Jahrzehnten bewiesene Tatsache steigender Kosten bei der Energie wird nicht berücksichtigt – ein Vergleich mit constanten Energiekosten ist unsinnig!

In jedem Jahr nach erfolgter Sanierung sind einerseits geringere Energiemengen zu berücksichtigen und andererseits steigende Energiekosten – das ist kein Zocken sondern belegte Erfahrung!

Ein Beispiel von Vielen:
Steigerung der Kosten der Wärme, hier Stadtwerke Delmenhorst,
im Zeitraum 2002 bis 2010, Arbeitspreis und Grundpreis bei F/Q = 0,0108

Bei dieser Steigerung der Heizenergiekosten, die belegt ist, würde sich bei einem Musterhaus der folgende Saldo aus Kapitalkosten und Kosten der Wärme ergeben :

FAZIT :

Vorsicht bei Zahlenbeispielen dieses Umfanges ; sie beeinflussen gleich die ganze politische Diskussion !
Die genannten 2,4 Billionen sind um Größenordnungen zu hoch und diesen Kosten steht eine Energiekosteneinsparung in gleicher Höhe gegenüber – verteilt auf die Amortisationszeit von 1 bis 25 Jahren.
Und unabhängig von diesen akrobatischen Zahlenspielen steht in jedem Fall ein Einsparung von Energie gegenüber, die gigantisch ist; ich beziffere sie nicht –
Korrektureintrag 2013.11.25.

……..ich bin kein Akrobat………

Martin Aßmann, 2010-09-26 16:53