( 112 ) GORLEBEN 2010

Erschütternd und deprimierend war es ganz sicher, die Proteste um den Castortransport nach Gorleben zu verfolgen und dazu wäre Vieles zu sagen
und ganz sicher mehr, als in solcher home – page möglich ist.

Aber ein Zeitungsbild zuvor :

Und die Bewohner des betroffenen Hauses „fühlten sich bedroht“,
hatten „furchtbare Angst„ und verbrachten den Rest der Nacht bei
Freunden im Dorf…

Die in unmittelbarer Nähe zum Castorbehälter gemessenen Strahlungswerte betragen 1/7 der Werte der natürlichen Radioaktivität ( Quelle wikipedia ) und
Fachleute sagen, dass sich

1. die Strahlenexposition im Quadrat der Entfernung reduziert

2. hinter Abschirmungen eines Hause nochmals erheblich geringer ist

3. diese Situation vielleicht einmal im Jahr für wenige Stunden entsteht

und dennoch ist eine Situation entstanden, die zu solchen Reaktionen in der Bevölkerung führt – wie soll da noch sachliche Diskussion ohne Emotion möglich sein ????
Es geht hier nicht um den Neubau eines Kernkraftwerkes sondern um Zwischenlagerung abgebrannter Brennstäbe ( Abklingen der Temperaturen) und um Erkundung möglicher Endlagerung – wie können Kernkraftgegner, bei allem Respekt vor deren grundsätzlich nicht unberechtigten Sorgen vor der Atomenergie, solche Erkundungen verhindern wollen ??

Es ist doch unredlich, der Politik vorzuwerfen, dass die Endlagerfrage nicht geklärt ist und gleichzeitig die Arbeit an diesem Problem massiv zu behindern!

Sicher, es gibt das Misstrauen in die Ehrlichkeit von Politik und Industrie und auch das ist zu verstehen : wie kann etwas „ergebnisoffen“ erkundet werden, wenn nur die Eignung von Gorleben erkundet wird ??
Hier sind weitere Standorte zu überprüfen, aber sofort kommt in unserem schönen Lande das schreckliche St.Floriansprinzip ins Spiel :

Bleibt schön in Niedersachsen und verschont uns hier im Süden!

In der politischen Diskussion wird häufig, und m.E. zu recht, kritisiert, dass man, z.B. besonders in Bayern, die Verlängerung der Laufzeiten fordert, aber natürlich nicht bereit ist, ggf geeignete Standorte zur Endlagerung im eigenen Lande prüfen zu lassen : „zünd andere an“ !

In der Schweiz werden mehrere Standorte untersucht – ist das in unserem Lande
nicht möglich – „zünd’ andere an „ ???

Am Abend des 11.November 2010 wurde in der talk-Show von Maybritt Illner über Castortransport und Gorleben diskutiert.
Diskutiert ?
Nein, es war keine Diskussion – jeder Teilnehmer brachte seine Meinung mit und war nicht bereit, die Beiträge der anderen Teilnehmer anzuhören, geschweige denn kritisch zu würdigen. Man fordert „ergebnisoffene“ Untersuchungen, ist aber nicht bereit oder in der Lage, ergebnisoffen miteinander zu sprechen !
Wohltuend dagegen der Beitrag von Claudia Kemfert, die sozusagen außerhalb der „Diskussion“ sachlich und neutral wichtige Zahlen zur wirtschaftlichen Lage der großen Energieversorger und zu den wirtschaftlichen Konsequenzen der Verlängerung der Laufzeiten auch und gerade für die „Erneuerbaren„ darlegte, wohltuend sachlich.
Bemerkenswert auch Wolfgang Herles

Herles erinnert an das Gorleben – hearing (Rede und Gegenrede) und zu diesem hearing schrieb Carl Friedrich von Weizsäcker am 8.6.1979 :

Weizsäcker u.a. : „ das Gorleben – hearing war für alle unmittelbar Beteiligten eine eindrucksvolle und für mich ermutigende Erfahrung…“
“ …. Hier war die Erfahrung, dass Vertreter beider Seiten ernsthaft miteinander reden, einander als Fachleute und als moralische Persönlichkeiten im Gespräch immer mehr achten lernen können…
„…. Also ist vernünftiges Gespräch unter Menschen möglich…“

Ist diese Kultur des Miteinander heute nicht mehr möglich???

siehe Laufzeiten – Debatte..

In der politischen Diskussion über die Proteste bei dem Castor – Tranport besteht weitgehend Einvernehmen : maßgeblich für deren Eskaltion war die Entscheidung des Bundes, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern.
Die Bundesregierung hatte zuvor ein Energiegutachten in Auftrag gegeben bei einer Bietergemeinschaft der Institute Prognos AG,Basel,
EWI Köln ( Energiewirtschaftliches Institut an der Universität Kökn )
und GWS Münster ( Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung)

Bemerkenswert für die Kultur des Miteinander ist die Diskussion nach Veröffentlichung der Studie .

Da wird unterstellt, die Studie sei nicht neutral, weil das EWI auch Gelder von RWE und E.ON erhält („Kritiker bezweifeln Güte des AKW-Gutachtens“ ) und gleichzeitig wird unterstellt, dass die Regierung das Gutachten unter Verschluss hält, weil Forscher die Laufzeitverlängerung für verzichtbar halten –
das passt ja ganz sicher nicht zusammen !

Aber dieses ca 270 – Seiten Gutachten wird auch je nach politischer Interessenlage völlig unterschiedlich bewertet :
Die Grünen kündigen eine Normenkontrollklage an,
die Linke will eine Prüfung bei dem Bundesrechnungshof,
der Bundeswirtschaftsminister Brüderle : „ Laufzeitverlängerung zwischen 12 und 20 Jahren bringen den größten volkswirtschaftlichen Nutzen“
der Bundesumweltminister Röttgen erkennt kein stichhaltiges Argument für längere Laufzeiten
und der Journalist Jasper Barenberg fragt Dietmar Lindenberger, einen der Autoren der Studie : „ warum bringt das Gutachten hier nicht Klarheit, unterschiedlicher hätten die Schlussfolgerungen für die Regierung doch nicht ausfallen können als die Reaktion auf Ihr Gutachten und die Antwort :
„ zunächst einmal darf man, glaube ich, hier sehen, dass es zur Kernenergie unterschiedliche politische Bewertung gibt und dass diese unterschiedlichen politischen Bewertungen durch ein Gutachten natürlich nicht verschwinden…!”
(Quelle : dradio.de : “EWI über die politische Interpretation des Energiegutachtens“).

Ich hätte gewünscht, daß es auch eine Aussage gäbe zu der Tatsache, dass die Laufzeitverlängerung auch einen Beitrag bringt, den Raubbau an den zu Ende gehenden Ressourcen zu mindern – die Endlagerfrage muss so oder so zwingend gelöst werden und da ist die Frage, ob die Menge der zu entsorgenden Brennstäbe 17000 oder 21000 t beträgt eher sekundär…..

Wichtig sind doch die Milliardenbeträge, die bei der Laufzeitverlängerung für Weiterentwicklung der „ Erneuerbaren“ zu Verfügung stehen, wichtiger jedenfalls
als die ideologische Debatte um die bösen Gewinne der bösen Konzerne….

Martin Aßmann, 2010-11-15 18:12