( 128 ) An der Schmerzgrenze: Umgang mit der Umwelt

1 ) In Erinnerung gerufen : am 30.3.2011 beschließt der Bundestag den Ausstieg aus der Kernkraft und die Presse zitiert aus der Veranstaltung

„Energie ohne Kernkraft“ im TWZ in Delmenhorst ( siehe page 126 ) :
…„wird der Anteil der Erneuerbaren Energien am Energiemix um die Hälfte erhöht und sinkt gleichzeitig der Verbrauch um fünf Prozent, ist Kernenergie ohne Stromausfälle und wirtschaftlichen Schaden ersetzbar“

Also : Erneuerbare erhöhen ( insbes.Wind), und Verbrauch reduzieren um ca 5%, hier von 13341 auf 12599 PJ bis 2020
( das Potential ist da, z.B. energetische Sanierungen)
Fazit dieser Veranstaltung und vieler vergleichbarer …

2 ) Einvernehmen parteiübergreifend,
aber nun kommt die Wirklichkeit „made in Germany„
2.1 ) … die von Union und FDP noch vor wenigen Monaten angekündigte steuerliche Sonderabschreibung scheint vom Tisch, nachdem die Länder im Juli im Bundesrat das Vorhaben gestoppt haben“
(Welt 19.8.2011: „Der Bund lässt die Hausbesitzer allein, Eigenheim-Modernisierung zunächst vom Tisch“)
Begründung und Kommentar :
Ministerien rechnen aus,“ dass hierdurch Steuerausfälle von voraussichtlich 1,5 Mrd Euro pro Jahr entstehen“
Bei allem Respekt : diese Rechnung würde ich gerne mal sehen !
das ZDH (Zentralverband des deutschen Handwerks) und die geea / dena (allianz für Gebäude-Energie-Effiziemz) verweisen unabhängig von einander darauf,
daß, „ steuerliche Förderung der energetischen Sanierung Investitionen im Verhältnis 1 : 8 anstößt – ein Fördereuro bringt mindesten acht Euro Investitionen…“ (ZDH,12..8.2011)
„Diese Steuerausfälle basieren auf einer statischen Betrachtung ohne Berücksichtigung der positiven Wirkung des Gesetzes für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung…“
jeder Euro, den der Staat als Förderanstoß aufwendet, löst etwa das Sechs – Achtfache an Investitionen aus…“ (geea, dena 29.7.2011)
2.2) …“ KfW – Keine Kredite für energetische Sanierung ( !!!) „
Finanz und Wirtschaft News der KfW vom 22.7.011 :
Zitate aus diesen News :
„ bislang galt die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau als erste Adresse in Deutschland, wenn es um energieeffiziente Bau- oder Sanierungsmaßnahmen ging.
Nun hat die KfW-Bank aber ihre Angebot umgestellt und stellt mit Ende August 2010 (?) einige Förderprogramme ein. So werden gleich mehrere Förderprogramme zur energetischen Sanierung gestrichen…“;
( Ein Tip: nicht verzagen, es gibt noch Pflanzen im Dschungel der Kreditmöglichkeiten ..)

Diesen Hinweis auf steuerliche Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten einerseits und auf Unsicherheit bei zinsgünstigen Krediten andererseits nenne ich Umweltpolitik an der Schmerzgrenze, aber es gibt noch andere Schmerzen:
3.) unredliche und falsche Rechnungen von Interessengruppen, die für ihre Klientel möglichst viel herausholen wollen : Klientelpolitik eben-

Beispiele gefällig ?
3.1.„ Modernisierung ist ein Verlustgeschäft „ mit dem Zitat :

„ selbst wenn Eigenheimbesitzer durch die Komplettsanierung ihre Heizkosten pro Jahr um 2000 Euro senken, würde es bei einem Investitionsbedarf von 70 000 Euro 35 Jahre dauern, bis sich die Investition amortisiert“
( VPB – Verband privater Bauherren) in WaS vom 19.8.2011) . (!)
Das führt zu Unsicherheit in der politischen Diskussion
( Absicht ??) und ist gründlich falsch!
Die Amortisationszeit hängt ab von der Höhe der Steigerung der Heizenergiekosten und diese Steigerung ist natürlich nicht NULL
( das wäre doch schön) sondern sie liegt zwischen 5 und 12%.) und die Amortisationszeit bei dem genannten Beispiel wäre dann nicht 30 Jahre sondern etwa die Hälfte ….

3.2 Behauptung von Verbänden „ es rechnet sich nicht , ebenso entstanden bei Ignorieren der Wärmekostensteigerungen (s. Beiträge 39 und 40 ) in diesem homebook und

3.3 falsche Szenarien
(siehe „ Rechenkünstler gefährden die energetische Sanierung“ Beitrag 109)
Und ganz unabhängig von dem Zwang, als Ausgleich für entfallende Kernenergie den Energiebedarf zu reduzieren,
da ist doch noch das CO-2 Problem :
Die Bundesregierung will langfristig den Energieverbrauch deutscher Wohnimmobilien bis 2020 um 80% reduzieren und dann sollen pro Jahr mindestens zwei Prozent des Gebäudebestandes energetisch saniert werden ( Welt 19.8.2011) – das erreicht man ganz gewiss nicht, wenn man steuerliche Anreize und günstige Kredite streicht : hier wäre die Schmerzgrenze erreicht!

Martin Aßmann, 2011-08-29 13:10