( 156 ) Die Strompreislüge

Wie im vorherigen Beitrag angekündigt soll nun versucht werden,
die Debatte um die „ Strompreislüge“ zu objektivieren,
Wie notwendig das ist, wird deutlich werden .

Zunächst aber ein kurzer Rückschau auf zwei von einander unabhängige, aber dann doch wieder verzahnte Ereignisse :

Der Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie nach Fukushima ( 2011 )
war die Reaktion unter dem Eindruck der Katastrophe;
Die grundsätzlichen Entscheidungen zum Ausstieg aus der Kernkraft waren aber
schon im Jahre 2002 gefallen :
Zitat :
„ Die damalige Bundesregierung traf mit den Energieversorgungsunternehmen eine Vereinbarung, die 2002 rechtskräftig wurde und den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie besiegelte. Der letzte Meiler sollte voraussichtlich 2021 vom Netz gehen „ ( 1 )

Für diese heute ca 25 % unseres Stromverbrauches umfassende Menge muss ein Ersatz gefunden werden.
Der Ersatz ist die Erneuerbare Energie, die schon in Anbetracht der Ressourcenfrage immer wichtiger wird und so haben wir nun den Wettbewerb zwischen Kernkraft und Kohle und Gas einerseits und den „Erneuerbaren“ andererseits.
Es ist ein ungleicher Wettbewerb :
Die erneuerbare Energie wird gefördert durch das EEG – eine Startsubvention,
die scheinbar jetzt schon ihr Ziel erreicht hat: die Wettbewerbsfähigkeit.
Nein, sie hat mehr erreicht; sie ist günstiger, denn bei der Kohle oder der Kernkraft gibt es Subventionen oder Folgekosten, die nicht zu den Stromkosten gerechnet werden :

Aus der Sueddeutschen Zeitung zitiert: „Wesentliche Ausgabepositionen für konventionelle Energie tauchen auf der Stromrechnung nicht auf. Trotzdem muss die Gesellschaft dafür aufkommen. Dazu gehören die hohen Folgekosten durch Umwelt und Klimaschäden sowie die mit Atomenergie verbundenen Risiken.“

Gesamtgesellschaftliche Stromkosten in Cent / Kilowattstunden :

( 2 )

Claudia Kemfert zu diesem Problem : „Bei den fossilen Brennstoffen …. übernimmt die öffentliche Hand Kosten, die der Stromanbieter selbst nicht trägt…..
Für den Ökostrom zahlt der Verbraucher, für Strom aus fossilen Energiequellen fließen Steuergelder ….. ( 1 :S.59 )

Dieses Problem ist sehr alt :
Claudia Kemfert erinnert an einen im Auftrag der EU 1988 erstellten Bericht,
der zu dem Schluss käme, Zitat „ die Preise für den Strom aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken seien zu niedrig, denn, so urteilten die Verfasser, der Strompreis berücksichtige die Folgekosten nicht, die dem Staat durch Umwelt-, Gesundheitsschäden etc entstehen. Im Anschluss an diesen Bericht wurde daher eine deutliche Erhöhung der Strompreise empfohlen „ Zitat Ende

Die ( politische ) Entwicklung verlief anders : die „etablierten Produkte“ wurden nicht mit derartigen Folgekosten belastet , den Ökostromanbietern wurde garantiert , daß sie diese Produkte zu einem rentablen Preis verkaufen konnten .
Zitat : „die politische Förderung erneuerbarer Energieen, die absolut zu begrüßen ist, hatte damit einen kleinen Geburtsfehler, der sie bis heute belastet. Denn immer ist es der grüne Strom, der teuer und angeblich nicht rentabel ist – während die fossilen Brennstoffe zu billig sind, weil die Folgekosten nicht eingerechnet werden“. ( 1 )
Das macht Stimmung und veranlasste die ZEIT zu Veröffentlichungen
„ Die Strompreislüge“ ; Die Stellungnahmen der Vertreter der Wendegegner werfen den Verfassern des Berichtes „ Mythos Steckdose „ Polemik vor und polemisieren selbst in einer Art und Weise, dass sie nicht mehr ernst genommen werden können: disqualifizierend !

Ich gehe daher nicht darauf ein, wer will, mag es tun : ( 3) Aber ein Problem gibt es wirklich und da haben die Wende – Gegner recht :
Die stille Reserve an Kraftwerken : das führt zwangsläufig zur Unwirtschaftlichkeit, wenn nur bei Flaute oder Regen produziert werden kann. Niemand kann einen Investor zwingen , Kraftwerke zu bauen , die nur Lückenbüßer sind und nur in Betrieb gehen, wenn es an Sonne und Wind fehl – hier haben wir es wieder , unser ungelöstes Problem der Speicherung !! Aber man muss relativieren : Zur Zeit beträgt der Anteil des Stromes aus Sonne und Wind ca 15 % des Stromverbrauches – er wird größer werden, aber auch eine Verdoppelung kann kein KO – Kriterium sein, es sei denn, man will es!
Zurück zum Strompreis
Unabhängig von polemischen Diskussionen bleibt eine Tatsache ja bewiesen :
Schon vor der Energiewende ist der Strompreis ständig gestiegen
( ca 4,3 % / anno ) – schon daraus wird deutlich, dass die Energiewende nicht der Verursacher ist :

Nochmals aus ( 1 ) zitiert : „In der Vergangenheit kletterte der Strompreis stetig nach oben und er wird es auch weiterhin tun „
Wohl wahr , ich verweise auf den Beitrag 152 in diesem homebook und das dort angegebene Diagramm : „ Strompreissteigerung 4,3 % / anno ( Mittelwert)“ ;

Diese Rechnung habe ich komplettiert mit Daten der Energiewende

Der Anteil des Stromes , der aus „Erneuerbaren“ gewonnen wird liegt noch in 2002
bei etwa 2,5% und steigt dann auf etwa 10% in 2011 -, die Kostensteigerung von Strom für den Haushalt liegt seit 1994 bei einem Mittelwert von ca 4,3 %/anno und hier sind die Belastungen der öffentlichen Haushalte durch die eingangs erwähnten Subventionen und Folgekosten, nicht enthalten – es ist eine Lüge, die Energiewende und deren Verfechter zum Schuldigen zu machen .

( 1 ) Claudia Kemfert : Kampf um Strom , Mythen , Macht und Monopole , Murmann
( 2 ) http//www.
sueddeutsche.de/geld/studie-zu-energiekosten-das-maerchen-vom-teuren-oekostrom
( 3 ) http://www.zeit-kritik.de

…. Und doch noch ein Nachtrag:
vor 10 Minuten Lektüre der Frankfurter Allgemeine ( Sonntagszeitung , 10.März 2013)
unter der Überschrift „Die Wende“ ( Winand von Petersdorff) mit dem Satz „Gerade wird eine der großen Lebenslügen der Energiewende enttarnt, die da lautet : Erneuerbare Energie wird wettbewerbsfähig, weil fossile Energieträger zur Neige gehen“ – man muss das Thema ausweiten und von der „ Energiewende–Lüge “ sprechen
– hiermit angekündigt!

Martin Aßmann, 2013-03-11 09:28